24. November 2017

Umgang mit schwierigen Schülern

Im Kanton Luzern werden grundsätzlich alle Kinder in der Regelschule integriert. Jene, die negativ auffallen, können zwar in eine Sonderschule versetzt werden. Doch das kann Jahre dauern.
Robin und 150 andere Schüler machen Lehrern das Leben schwer, Luzerner Zeitung, 24.11. von Yasmin Kunz

Mille feuilles wird überarbeitet

Das umstrittene Französisch-Lehrmittel für die 5.- und 6.-Klässler kommt neu aufgelegt in die Schulzimmer.
Nach Kritik wird Französisch-Lehrmittel "Mille feuilles" nun überarbeitet, Solothurner Zeitung, 23.11.

23. November 2017

Neoprimitiver Technoanimismus: Beherrschen uns Algorithmen?

Platon entwarf für den idealen Staat eine Regierungsform, in der die weisesten Bürger, die Philosophen, den Ton angeben: eine Epistokratie. Im sozialen Klima nach der Französischen Revolution aspirierte eine andere Berufsgruppe auf dieses Amt: die Ingenieure. Philosophen wie Auguste Compte oder Henri de Saint-Simon suchten das alte aristokratische System der Nepotismen und Standesprivilegien durch eine neue Elite vom Tisch zu wischen: die Polytechniker. Die Idee der Technokratie war geboren. Und sie übt ihren Einfluss bis heute aus. Gerade heute, da Unternehmen wie Google, Amazon, Facebook oder Apple eine noch kaum ausgelotete Macht über uns ausüben. Im Kern dieser Macht stecken Algorithmen. Deshalb wurde auch schon von einer Algokratie gesprochen.
Beherrschen uns Algorithmen wirklich? NZZ, 23.11. Gastkommentar von Eduard Kaeser

Berner Schulleiter distanzieren sich von Protestaktion

Der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter Bern (VSLBE) hat sich von der Protestaktion«Rotes Tuch» distanziert. Durch die Schmückung von Schulgebäuden mit roten Tüchern will der Berufsverband Bildung Bern auf Sparmassnahmen im Bildungsbereich aufmerksam machen. Andreas Hachen, Co-Präsident des VSLBE, wirft Bildung Bern vor, Lehrpersonen zu einem von der Schulleitung nicht bewilligten Protest anzustiften: «Sie können die Schulleitung nicht einfach umgehen.» Lehrerkollegien könnten nicht ohne Erlaubnis der Schulleitungen über eine solche Protestaktion entscheiden.
Der VSLBE habe den Schulleitungen empfohlen, die Aktion zu unterlassen: «Das leitet nur Wasser auf die Mühlen der Kritiker.» Kinder dürften nicht in Proteste involviert werden, Schulen als Gemeindeeigentum auch nicht. Zwar teilt laut Hachen der VSLBE viele Anliegen von Bildung Bern. Die Aktion «Rotes Tuch» schade aber dem Image der Schulen. Warum trotzdem viele Schulen mitgemacht haben, könne er nicht beurteilen: «Letztendlich treffen Schulleitungen ihre eigenen Entscheide.»
Schulleiter verreissen Aktion "Rotes Tuch", Bund, 22.11. von Calum MacKenzie



Aargau streicht Intensivweiterbildung

Der Grosse Rat streicht am ersten Tag der Budgetdebatte die Intensivweiterbildung für Lehrpersonen und spart damit bis zu drei Millionen Franken jährlich. Doch die Parlamentarier verschonten auch einige Bereiche – etwa die Standortförderung.
Das Ringen um das Budget 2018: Grosser Rat spart Privileg der Lehrer weg, Aargauer Zeitung, 22.11. von Jörg Meier

Gesteuerte Form der Verwahrlosung

Christoph Türcke über die Ökonomisierung des Bildungsbetriebs, Lehrer, die zu Lernbegleitern mutieren, neue autoritäre Strukturen in der Schule und alte Effizienzfantasien, die in ihr Gegenteil kippen.
Philosoph Christoph Türcke: "Man braucht die Schulen eigentlich nicht mehr", Standard, 21.11. von Lisa Nimmervoll

Integrative Schulung verheizt Lehrer

Unterdurchschnittliche Leistungen, schwierige Lehrer-Schüler-Beziehungen, überforderte Lehrer: Die Befunde der Pilotstudie zur integrativen Förderung legen die Schwachstellen der Schulreform offen. Sie dürften Wasser auf die Mühlen der Kritiker sein, die in ­immer mehr Kantonen zum politischen Widerstand aufrufen. Ihr Ziel: Die Integration schwieriger Schüler in Regelklassen soll rückgängig gemacht, Klein- und Sonderklassen sollen wieder vermehrt möglich werden.
Lasst die Lehrer nicht allein, Tages Anzeiger, 22.11. Kommentar von Raphaela Birrer

Pilotstudie zur Integration

Verhaltensauffällige, behinderte und lernschwache Schüler: Sie alle werden heute nicht mehr in Sonder- und Kleinklassen unterrichtet, sondern wenn immer möglich in die Regelschule integriert. Das Behindertengleichstellungsgesetz und vielerorts auch die Volksschulgesetze verpflichten die Kantone seit 2004 dazu. Dafür erhalten die Klassenlehrer lektionenweise Unterstützung von Heilpädagogen.
Integrationsklassen schneiden bei Leistungstests schlecht ab, Tages Anzeiger, 22.11. von Raphaela Birrer

21. November 2017

Bern baut für Lehrplan Lektionenzahl aus

Die Lektionenzahl an der Volksschule wird im nächsten Jahr definitiv erhöht. Ein FDP-Vorstoss, der das verhindern wollte, war im Grossen Rat chancenlos.

Keine Reduktion der Schul-Lektionen, Berner Zeitung, 21.11.

Neues Französisch-Lehrmittel für Luzern

"dis donc!" heisst das neue obligatorische Französischlehrmittel, das "envol" ablöst. Es wird auf das Schuljahr 2018/19 in den 5. Klassen eingeführt. Die Einführung in den folgenden Schuljahren geschieht rollend. In der Sekundarschule ist die Einführung zusammen mit dem Lehrplan 21 auf das Schuljahr 2019/20 möglich. Der Wechsel auf "dis donc!" 7 ist in der Sekundarschule ab 2020/21 obligatorisch.
Quelle: Dienststelle Volksschulbildung Luzern, 21.11.

Alternative Mathematik

Eine bitterböse Satire aus den USA zum Zustand der Schule. Wie weit sind wir in der Schweiz schon und wer schützt uns vor einer ähnlichen Entwicklung? Gibt es Parallelen? Ich bin gespannt auf Ihre Beobachtungen.

Alternative Math, Kurzfilm, englisch. Dauer: 9.06 von Ideaman, 19.9.

Rote Fahnen in Bern

Hundert Jahre nach der Oktoberrevolution wehen im Kanton Bern derzeit rote Fahnen. Mit dem Bolschewismus hat das aber nichts zu tun. Ab Montag wollen bernische Lehrerinnen und Lehrer mit dem Aushängen von roten Tüchern an Schulgebäuden auf die Sparmassnahmen des Kantons im Bereich der Bildung aufmerksam machen.
Bildungsgewerkschaft sieht rot, Bund, 20.11. von Calum MacKenzie

20. November 2017

Oslo, Abu Dhabi, Basel oder doch Sion?

Vor sieben Jahren wurden wir Stadträte wegen des Umbaus unseres Stadtratssaals für ein Jahr in der Turnhalle des Neumarktschulhauses untergebracht. Während einer kühlen Februarsitzung fiel plötzlich die Heizung aus. Wir sassen in Mänteln und Mützen in unseren Stühlen und froren jämmerlich. Die Rettung kam in der Person von Fatlind, einem ehemaligen Schüler, der in der Bieler Firma Franconi eine Lehre als Sanitär- und Heizungsinstallateur machte. Natürlich erkannte er mich sofort und lachte: «Herr Pichard, keine Sorge, das regeln wir schon.» In der Schule konnte er einem den letzten Nerv ausreissen, jetzt war er für mich ein Engel.
Oslo, Abu Dhabi, Basel oder doch Sion? Bieler Tagblatt, 20.11. von Alain Pichard

Buben haben Angst, als Streber zu gelten

Zuletzt fand ein alter Trend neue Beachtung: Seit Mitte der 1990er-Jahre tut sich eine Schere bei der Maturaquote auf. Mädchen haben die Buben regelrecht abgehängt. Über die Ursachen debattieren Lehrer, Politiker und Bildungsforscher seit Jahren. Doch ein Aspekt ging bislang unter – dabei trifft er besonders in der Schweiz zu.
Die grosse Angst der Buben, Nordwestschweiz, 20.11. von Yannick Nock

Werden Aargauer Privatschüler bei Gymi-Aufnahme benachteiligt?

Der Übertritt an die Mittelschule ist für Privatschüler nur nach bestandener Aufnahmeprüfung möglich. Schüler von öffentlichen Bezirksschulen können mit dem verlangten Notenschnitt hingegen prüfungsfrei in die Mittelschule eintreten. Nun wehrt sich eine Privatschule.
"Diskriminierend": Aargauer Privatschüler müssen zur Aufnahmeprüfung - Bezschüler nicht, Aargauer Zeitung, 20.11. von Jörg Meier

Cramer verharmlost

Die Aussagen von RegierungsratConraden Cramer zur Integrativen Schule, zu den verfügbaren Ressourcen und den sogenannten "verstärkten Massnahmen" haben mit der Realität in den Klassenzimmern kaum etwas zu tun. Tatsächlich führt das ohne Augenmass durchgezwängte Konzept dazu, dass sowohl sehr schwache als auch sehr leistungsstarke Schüler zu wenig gefördert werden können. Unter vier oder sechs Augen sind eine grosse Zahl Lehrkräfte sofort bereit, diesen pädagogischen Missstand mit unzähligen Beispielen zu belegen. Auch die von oben erzeugte Unruhe in den Klassen wird immer noch nicht kritisch hinterfragt. Warum diese Erkenntnisse bisher noch nicht bis ins Erziehungsdepartement und zu den Leisetretern bei der Schulsynode vorgedrungen sind, wäre eine eigene Recherche wert.
Basler Zeitung, 20.11. Online-Kommentar von Roland Stark

"Das Konzept der integrativen Schule hat breiten Rückhalt"

Im Interview sieht der Basler Bildungsdirektor Conradin Cramer keinen unmittelbaren Handlungsbedarf an der Basler Volksschule.
"Wir hören diese Kritik nicht zum ersten Mal", Basler Zeitung, 20.11. von Nina Jecker und Franziska Laur

19. November 2017

Der bildungspolitische Sündenfall unserer Epoche

Die Referate der Frankfurter Inkompetenz-Konferenz von vergangenem Juli sind hier aufgezeichnet.

Folgende Referenten sind unter diesem Link zu hören: 

  • Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Dekan des Fachbereichs Medizin, Goethe-Universität Frankfurt
  • Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann, Philosophie, Universität Wien
  • Prof. Dr. Andreas Gruschka, Erziehungswissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt
  • Prof. Dr. Stefan Kühl, Soziologie, Universität Bielefeld
  • Mathias Brodkorb, Finanzminister Mecklenburg-Vorpommern
  • Prof. Dr. Hans Peter Klein, Biowissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt
  • Prof. Dr. Bernhard Kempen, Rechtswissenschaft, Universität zu Köln, Präsident des deutschen Hochschulverbandes
  • Prof. Dr. Hans Jürgen Bandelt, Mathematik, Universität Hamburg



Programmieren so wichtig wie Lesen und Schreiben

Zwei ETH-Professoren aus Zürich und Lausanne sorgen dafür, dass unsere Kinder endlich lernen, wie man Computer programmiert.
So wird das Programmieren zur fünften Landessprache, NZZaS, 19.11. von Patrick Aebischer

18. November 2017

"Wir wissen nicht, was in 20 Jahren gefragt ist"

Um Algorithmen zu verstehen, brauche es nicht zwingend einen PC, sagt Regierungsrat Bernhard Pulver.
"Nun holen uns diese Themen ein", Bund, 18.11. von Andres Marti

Eine Vollkasko-Gesellschaft hat keine Zukunft

Darf man noch Schulreisen durchführen? Oder ist das zu gefährlich? Die Frage stellt sich, nachdem zwei Aargauer Lehrern der Prozess gemacht worden ist, weil auf einem Ausflug im Fricktal ein 12-jähriger Schüler tödlich verunfallt war. Der Bub hatte sich von der Gruppe entfernt und stürzte eine Böschung herunter. Die Lehrer wurden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Das sorgte unter Pädagogen für Verunsicherung. Denn ein Unfall wie jener im Fricktal kann nie ausgeschlossen werden, wenn man etwas unternimmt – auch nicht bei perfekter Vorbereitung und Durchführung. Mancher Lehrer, manche Lehrerin fragt sich: Kann ich mit meiner Klasse das Schulzimmer überhaupt noch verlassen, wenn ich vermeiden möchte, am Ende vor Gericht oder gar im Gefängnis zu landen? Dass die beiden Aargauer Lehrer am Donnerstag erstinstanzlich freigesprochen wurden, weil sie die Sorgfaltspflicht nicht verletzt hatten, wird die Bedenken kaum zerstreuen.
Eine Vollkasko-Gesellschaft hat keine Zukunft, Schweiz am Wochenende, 18.11.

Ablehnung ohne Gegenvorschlag für Luzerner Bildungsqualitäts-Initiative

Das Diktat der «Luzerner Allianz für Lebensqualität» ist deutlich: Alle Lehrer im Kanton haben die erforderlichen Diplome, Gemeinden und Kanton stellen für die Bildung genügend Mittel zur Verfügung, der Unterricht auf Sek-Stufe II ist für alle Schüler gratis und verfügt über die ganze Palette, die Volksschule ist kommunal und die Sek-Stufe II regional verankert. So will es die Allianz, der unter anderem Gewerkschaften, Lehrerverbände, SP und Grüne angehören. Sie hat die entsprechende Volksinitiative am 14. November 2016 mit 6062 Unterschriften eingereicht.
Der Kampf um Bildungsqualität im Kanton Luzern ist lanciert, Luzerner Zeitung, 17.11. von Alexander von Däniken

Eltern sorgen dafür, dass Kinder höher eingestuft werden

Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm sucht die Gründe für die vielen Baselbieter Sek-P-Schüler bei deren Eltern.
Hohe Sek-P-Schülerzahlen im Baselbiet: "Eltern haben den grössten Einfluss", Basellandschaftliche Zeitung, 17.11. von Samuel Hufschmid

Pestalozzi und die digitale Revolution

Johann Heinrich Pestalozzi hatte im 18. Jahrhundert das Ziel, den Menschen selbständiger und mündiger zu machen, um dadurch auch die Demokratie und die Unabhängigkeit des Landes zu stärken. Er gründete dafür zahlreiche Institutionen, in denen das Lesen und das Schreiben unterrichtet wurden. Als Folge davon stieg die Alphabetisierungsrate in der Schweiz rasch an. Die Lese- und Schreibkompetenzen bereiteten die Schweiz ideal auf die erste industrielle Revolution vor, welche bald darauf folgen sollte. Zu dieser Zeit verschwanden viele Berufe, und es entstanden neue. Das Handwerk etwa zog in die Fabriken ein, wo die Nachfrage nach Buchhaltung, Administration und weiteren Dienstleistungen wuchs – alles Gebiete, bei denen die neuen Kompetenzen unentbehrlich waren.
Pestalozzi und die digitale Revolution, NZZ, 17.11. Gastkommentar von Martin Vetterli

Digitale Aufrüstung stellt auch Zürich vor Herausforderungen

Die Digitalisierung hält dank dem Lehrplan 21 nun definitiv auch in der Volksschule Einzug. Medien und Informatik heisst das Fach, das im kommenden Schuljahr eingeführt wird. Im Kanton Zürich steht es ab der fünften Klasse auf dem Stundenplan. Die meisten Kinder, von denen viele Smartphone und Computer bereits heute in der Freizeit nutzen, wird’s freuen. Medien und Informatik als obligatorisches Schulfach ist aber nur eine der Neuerungen. Darüber hinaus sollen die Schülerinnen und Schüler künftig über alle Stufen – vom Kindergarten bis zur Sekundarschule – sogenannte digitale Anwendungskompetenzen erwerben. Der Unterricht wird sich in nächster Zeit grundlegend verändern.
Die Zürcher Schule wird zur digitalen Welt, NZZ, 18.11. von Rebekka Haefeli